Update Tarifverhandlungen und Ergänzungstarifvertrag bei Lufthansa

Themen in diesem Newsletter:

1. Information der Tarifkommission
2. Veröffentlichung des UFO-Vorstands zur aktuellen Situation bei GWI


I N F O R M A T I O N   D E R   T A R I F K O M M I S S I O N

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
nachfolgend möchten wir Euch eine kurze Wasserstandsmeldung bezüglich der aktuellen Tarifverhandlungen und des Änderungs- und Ergänzungstarifvertrags bei Lufthansa geben.
Die Schlichtungsschlussempfehlung DLH sah folgendes vor:
Die Lufthanseaten, die im Zuge der Arbeitnehmerüberlassung bei uns eingesetzt werden sollten, sollten Ihre Vergütungsbedingungen vollständig und die MTV-Bedingungen weitestgehend behalten. Nach diesen Regeln hätten sie unter anderem nicht cleanen müssen.
Offensichtlich hat die Germanwings der Lufthansa noch rechtzeitig klar gemacht, dass eine unterschiedliche Behandlung von uns und den LH-Mitarbeitern bei derart vielen Themen wie Cleaning, Ruhezeiten, maximalen Arbeitszeiten, Anzahl freier Tage u.v.m. nicht umsetzbar gewesen wäre.
Der Änderungs- und Ergänzungstarifvertrag DLH sieht nun vor, dass die überlassenen LH-Mitarbeiter unsere MTV-Bedingungen übernehmen, d.h. auch cleanen müssen. Dies erfolgt allerdings bei einer Reduzierung ihrer Arbeitsleistung. Sie müssen nur 80% arbeiten für 100% LH-Gehalt, welches in etwa 115-120% des GWI-Gehalts entspricht.

Die Firma bevorzugt offensichtlich eine Besserstellung der Lufthanseaten anstatt auf unsere Forderungen nach verbesserten Vergütungs- und Arbeitsbedingungen einzugehen.
Wir sind nicht bereit, diese Benachteiligung hinzunehmen. Mittlerweile sind seit dem letzten Verhandlungstermin bereits mehr als 2 Monate vergangen, ohne dass der Arbeitgeber das von uns geforderte Angebot vorgelegt hat. Wir werden keine weiteren Wochen oder gar Monate ins Land ziehen zu lassen, ohne dass sich die Arbeitgeberseite auch nur ansatzweise bewegt. Der gerade abgeschlossene Änderungs- und Ergänzungstarifvertrag bei Lufthansa, der auch das Thema Arbeitnehmerüberlassung zu Germanwings regelt, zeigt deutlich, dass es auch anders geht. Wenn die Geschäftsleitung ihre starre Haltung beibehalten sollte, werden wir uns näher mit dem Thema Arbeitskampf auseinandersetzen müssen.

Eure UFO-Tarifkommission

 

V E R Ö F F E N T L I C H U N G   D E S   U F O   V O R S T A N D S   Z U R   A K T U E L L E N   S I T U A T I O N   B E I   G W I

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Germanwings ist seit der Entscheidung, den Direktverkehr der Lufthansa zu übernehmen unweigerlich ein Teil der Tarifauseinandersetzung zwischen UFO und DLH geworden. Diese ist LH-seitig nun mit dem Abschluss eines Änderungs- und Ergänzungstarifvertrags (ÄTV) erst Mitte April 2013 endgültig beendet worden. Dieser ÄTV hat nun auch konkrete Auswirkungen auf die GWI und die bei Euch anstehende Tarifrunde. Aus diesem Grund möchte der UFO-Vorstand Euch in Ergänzung und in Absprache mit Eurer GWI-Tarifkommission über die Hintergründe dieser Auswirkungen und die Zielsetzung des UFO-Vorstands in der GWI-Tarifrunde informieren.

Lufthansa und die Germanwingsgeschäftsführung wollten im letztem Herbst zwei Dinge erreichen:

Einerseits eine “zweite Lufthansa”, mit weiter wachsendem Anspruch und massiv wachsender Flotte, andererseits eine günstige und gefügige Belegschaft in beiden “Abteilungen”, also in der DLH und der neuen GWI.

Man hat die Lufthanseaten versucht zu erpressen, indem man versuchte ohne Mehrkosten und saubere Vereinbarungen die “teuren, alten” LH-Strukturen abzuschaffen und den Direktverkehr geräuschlos zur GWI zu schieben. MIt der Ansage: “liebe LH-ler, wenn ihr nicht brav seid, dann machen wir es wie bei der AUA, dann verliert ihr alle Eure Jobs bei LH und die Strukturen übernimmt die GWI” wurde hier wie dort mit Existenzängsten gespielt.

Euch wiederum bei GWI erzählt man seither gebetsmühlenartig, dass Ihr alle über kurz oder lang Eure Jobs verliert, wenn ihr auch nur einen Cent teurer werdet, auch nur an einer einzigen Stelle Entlastungen und Zuverlässigkeit einfordert.

Also, eine von den beiden Erpressungszenarien muss falsch sein. Wir sind sogar der Meinung, dass beides Humbug ist.

Der Konzern hat die Entscheidung getroffen, dass GWI eine sehr viel größere und wichtige Rolle im LH-Konzern spielt. Das ist nun ein Fakt und der ist auch völlig in Ordnung. Denn die GWI hat gute und motivierte Mitarbeiter und die geforderten “schlanken” Strukturen in der sonstigen Organisation, um günstiger zu operieren als bisher und den Direktverkehr damit profitabler zu machen. Dies steht in keiner Weise derart auf der Kippe, wie man Euch und uns dies immer wieder glauben machen möchte. Die Zahlen sprechen für sich -  es werden neue, teurere Produkte eingeführt, die Gäste buchen die neuen GWI-Strecken bereits jetzt zu höheren Ticketpreisen als bei der “alten Germanwings” - sie erhalten Meilen, nun doch Lounge-Zugänge etc. Das “Projekt - NEUE Germanwings” zeichnet sich bereits jetzt als äußerst erfolgversprechend ab. Dies darf jedoch NICHT auf Kosten der GWI-Mitarbeitern bzw. ohne eine Beteiligung der GWI-Kabine geschehen, auf die nun immer mehr Herausforderungen und weiter gestiegene Anforderungen zukommt.

Von dieser Entscheidung seid aber nicht nur Ihr und ca. 30 Flugzeuge der DLH betroffen, sondern auch Menschen, die mit dieser Entscheidung ihren Arbeitsplatz bei DLH verlieren; die den Ort, an dem sie teilweise bereits 25 Jahre arbeiten auf Dauer aufgeben müssen.

Die Folgen einer solchen unternehmerischen Entscheidung kann man auf die unterschiedlichsten Arten abfedern. Dies ist ein rechtlicher Anspruch, den betroffene Mitarbeiter haben.
Dies geschieht gewöhnlich in einem Interessenausgleich und Sozialplan. Es ist im Interesse aller Beteiligten auf Arbeitnehmerseite, solch einen Sozialplan für den Arbeitgeber teuer und schwierig zu gestalten, an die Grenzen des Durchsetzbaren zu gehen, damit es eben KEIN Zuckerschlecken ist, mal eben Abteilungen zu schließen, Betriebsübergänge zu vollziehen etc. Die Hürde für so etwas muss sehr hoch sein, damit wir eben keine Verhältnisse ertragen müssen wie unsere Kollegen bei der AUA, die alle von heute auf Morgen in Verträgen mit weniger Geld, mehr Arbeit, weniger Urlaub etc. gelandet sind.

Solche “Pflöcke” einzurammen, wie dies in dem nun vereinbarten Sozialplan geschehen ist, in dem AUCH die Arbeitnehmerüberlassung und der freiwillige Arbeitgeberwechsel von LH zur GWI vereinbart wurde, schützt alle Beteiligten. Die direkt betroffenen Kollegen der DLH aber auch den sogenannten aufnehmenenden Betrieb, da die Willkür des Arbeitgebers begrenzt wird und Euch damit auch klar vor Augen geführt wird, um wieviel produktiver und günstiger Ihr derzeit seid - wie sehr ihr also einen berechtigten Aufholbedarf habt.

Von der Schlichtung zum Änderungstarifvertrag

In der Schlichtung letzten Herbst hatte es unter dem Schlichter Prof. Bert Rürup bereits einige Festlegungen gegeben, wie eine Arbeitnehmerüberlassung von LH-lern zur GWI ausgestaltet werden sollte.

In dieser Regelung waren viele einzelne Punkte geregelt. So sollten die LHler die zur GWI ausgeliehen werden, ihre Bezüge, ihre betriebliche Altersversorgung ebenso behalten wie die größten Teile ihrer Arbeitsbedingungen. Gerade die Arbeitsbedingungen sind jedoch zwischen GWI und LH in vielen Punkten sehr unterschiedlich. Es gibt große Unterschiede in der Anzahl freier Tage, Requestsystem, Urlaubs- und Teilzeitregelungen u.v.m. Dazu kommen die Themen, die es bei LH gar nicht gibt, wie z.B. die Verpflichtung des Transitcleanings.

Danach erst begannen bei LH die Sozialplanverhandlungen, die von der PV und der LH geführt wurden. Die ANÜ-Bedingungen haben die LH und die GWI vor enorme Probleme gestellt. Es hätte für die ANÜ-Kollegen eigene Planungen geben müssen, keiner wusste, wie man lösen sollte, dass die einen cleanen und die anderen eben nicht.
Wir haben als UFO lange an dieser Lösung festgehalten, da wir diese “Stachel” im Fleisch mit Eurer TK und PV gemeinsam dafür nutzen wollen, auch bei Euch Verbesserungen zu erreichen. Also NICHT die LH-ler nach unten zu ziehen, sondern EUCH GWI-ler nach oben.

Im Zuge dieser Sozialplanverhandlungen hat sich nach monatelangem Tauziehen eine Lösung angeboten, die das Ziel der UFO, aus der Tarifrunde mit LH einen taktischen Vorteil für die GWI-Tarifrunde zu ziehen, ebenso abdeckt. Es wird (festgelegt im Sozialplan und im ÄTV)  nun bzgl. der Arbeitsbedingungen an keiner Stelle mehr unterschieden. Allerdings ist die GWI ca. 20% produktiver als die LH. Somit erhalten die LH-ler die per ANÜ (befristet auf max. 72 Monate) zur GWI kommen diesen Produktivitätsvorteil finanziell ausgeglichen. (Siehe VÖ Eurer TK) Damit wird klar dokumentiert, dass Ihr sowohl von der Bezahlung her als auch von den Arbeitsbedingungen so viel günstiger operiert, dass selbst die vollständige Erfüllung Eurer Tarifforderungen den Arbeitgeber an dieser Stelle im Vergleich zur Lufthansa nicht überfordert oder gar den Fortbestand der GWI in irgendeiner Weise gefährdet.
Lasst Euch das nicht einreden. Die UFO ist ebenso an einem Erfolg der GWI interessiert und wird nicht blindlings Forderungen durchsetzen, die die wirtschaftliche Potenz der GWI schädigen und Eure Arbeitsplätze gefährden.

Die GWI-Tarifrunde aus Sicht des Vorstands

Die Zäsur, weg vom “klassischen No-Frills-Carrier” hat der Arbeitgeber vollzogen. Es gibt nun demnächst noch mehr Produktvarianten, ihr müsst mit den bisherigen Kunden ebenso klarkommen wie mit den HONs und SENs der DLH. Ihr werdet dafür verantwortlich sein, dass diese sich auch bei Euch an Bord wohl fühlen.

Diese Verantwortung der Kabine sieht auch der Arbeitgeber so. Die Geschäftsleitung der GWI hat aber bisher in mehreren Tarifrunden, an denen der UFO-Vorstand in Teilen beteiligt war KEIN einziges Angebot gemacht, wie er dies in Form von Perspektiven, Inflationsausgleich, oder zumindest im Bereich der Arbeitsbelastung anerkennen will. Ganz im Gegenteil. Jede einzelne Forderung, egal ob sie nun mit direkten Kosten verbunden ist oder nicht, wird seit Monaten zurück gewiesen.

Aus Sicht des UFO-Vorstands stehen in dieser Tarifrunde drei Schwerpunkte auf der Agenda. Mit einer sinnvollen Mischung aus diesen drei Themenkomplexen kann auch der Arbeitgeber leben und weiter mit den sogenannten schlanken Strukturen operieren.

1. Einstieg in den Wechsel zur DLH, wie er in der Schlichtung der LH beschrieben wird.

2. Die Tarifforderungen der GWI-Tarifkommission an sich

3. Lösung der Befristungsproblematik

Weitere Vorgehensweise

Der UFO-Vorstand und die Personalvertretung, sowie die Tarifkommission der GWI werden sich im Mai zu einer zweitägigen Tarifklausur treffen und direkt im Anschluss einen weiteren Verhandlungstermin mit der GWI wahrnehmen. Wir werden konkrete und lösungsorientierte Vorschläge unterbreiten können. Wenn allerdings die Totalverweigerung der Geschäftsleitung der GWI bestehen bleibt, ganz egal ob dies nun eine Verweigerung ist, die von ganz oben aus dem Vorstand der LH verordnet wurde, oder ob sich das GWI-Management dies selbst ausgedacht hat, werden wir Euch darüber informieren, ob und wie ggf. begleitend zu weiteren Verhandlungen auch Arbeitskampfmaßnahmen vorbereitet werden müssen.

Denn, ihr habt als neue GWI mit einem enormen Wachstum, einer enormen Aufgabe, verdient endlich auch respektvoll und angemessen behandelt und bezahlt zu werden. Keiner erwartet Wunder, bzw. dass alles in einem Schritt vollzogen wird. Tariflicher Stillstand oder gar Rückschritte sind allerdings nicht angesagt; das habt Ihr als GWI-ler nicht verdient und das dürfen wir uns alle gemeinsam nicht gefallen lassen.

Viele Grüße,
Euer UFO-Vorstand

Herausgeber u. V.i.S.d.P. Vorstand i.S.d. §26 II BGB
Unabhängige Flugbegleiter Organisation e.V.
Berufsverband und Gewerkschaft für die Kabinenbesatzungen in Deutschland
Vorsitzender: Nicoley Baublies
stellv. Vorsitzende: Sylvia de la Cruz
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