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Zu 3.  Wozu haben wir überhaupt gestreikt?

Es gab mehrere konkrete Streikziele der Kabine. Einige davon wurden erreicht, andere dahinterliegende Themen wurden klar nicht erreicht.

Ich möchte gerne mit dem unschönsten Teil beginnen. Ein Wunsch der Kabine im zurückliegenden Streik war, auch den Direktverkehr unter der Marke und den Tarifbedingungen der Lufthansa zu halten. Dies war faktisch ein Punkt, der die unternehmerische Freiheit der LH berührte und der nicht bestreikbar war. In unserer aller Köpfe war dieses Ziel jedoch sehr präsent. Mit der Entscheidung, dies anders zu machen, und den Direktverkehr zur GWI auszulagern, war dieses Ziel nicht mehr erreichbar. Allerdings, und das ist die gute Nachricht daran, konnte die Schlichtungskommission der UFO dem Schlichter danach auch klarmachen, dass grundlegende Beiträge des Bestandspersonals wie sie im LH-„Angebot“ mannigfach gefordert wurden, für die UFO nicht mehr diskutabel sind. Herr Rürup hat in den Schlichtungsgesprächen danach sehr klar gemacht, dass er sich dieser Sicht anschließt und dies bildet sich auch in seinem Schlichtungsspruch ab. Keine 2-Jährigen Stufen, keine Kappung der Endstufen, keine Reduzierung von freien Tagen, Urlaub etc. 
Ohne den Streik wäre die „Absage“ an diese LH-Wünsche schwierig geworden.

Allerdings gab es auch ganz konkrete Streikziele. Allem voran: Wir wollten unsere Lebensarbeitsplätze zu guten Bedingungen erhalten. Wir wollten den MTV2 behalten, wir wollten eine gute Perspektive für die Kollegen auf den Außenstationen, die Endstufen, verbesserte Gewinnbeteiligung, einen Inflationsausgleich, ein Mehr in den Vorschaltstufen, Leiharbeit und Fremdbereederung aus der Kabine verbannen, grundsätzliche Befristungen und Kündigungen vermeiden. 

Ich will diese nun gar nicht im ganz engen Sinne hier bewerten. Dies kann jeder Einzelne für sich und das Kollektiv tun. Ich bitte aber alle, die sich die Frage nach dem Sinn des Streiks stellen, zu überprüfen, wie es sich mit diesen Zielen verhält. Die Passage ist seit einiger Zeit einer der ertragsschwächsten Bereiche. Es werden mehrere Jahre in Folge Verluste eingefahren. Andere Bereiche der Passage bauen tausende Arbeitsplätze ab, leben seit Jahren mit generellen Befristungen, werden ausgelagert und in einigen Bereichen WURDE bereits betriebsbedingt gekündigt. 

Die Kabine hat vor allem ein Ziel erreicht: All solche Maßnahmen kommen bei uns NICHT zum Tragen UND wir haben SCORE erledigt, Restanten aus Climb2011 erledigt (wir erinnern uns: Der PII sollte integriert und FB sollten abgezogen werden –  was wir abgewehrt, aber in den Augen des Managements nie gegenkompensiert haben) sowie die uralte Verhandlungsverpflichtung zur „Modernisierung“ der Vergütung, die zuletzt in der Simonis-Schlichtung vertagt wurde – erledigt!

Man kann natürlich immer sagen, dass diese Ansprüche ohnehin ungerechtfertigt waren.

Aber selbst wenn das so ist, muss man sich fragen, ob wir glauben, dass ein Management, wie wir es derzeit erleben, diese Ansprüche, selbst bei einem wiederholten Arbeitskampf, aufgegeben hätte.

Meine ganz persönliche Glaskugel: Ich glaube nicht – ich fürchte vielmehr, dass es dann einen Überbietungswettbewerb innerhalb des Managements gegeben hätte, die Kabine in ihre Schranken zu weisen. Ein Manager hat mir gesagt: „Dann machen Sie doch erst mal weiter – wenn wir erst mal den derzeitigen Überhang entlassen haben und danach nicht mehr unbefristet einstellen, dann wünsche ich viel Erfolg bei weiteren Arbeitskämpfen in der Zukunft“. 

Wer ein gutes Argument dafür findet, warum dies eine leere Drohung sein sollte, der sei sich gewahr, dass genau Manager wie dieser in seiner Vita solche „Maßnahmen“ in anderen Firmenbereichen und anderen Firmen „vorweisen“ kann.

Es gibt immer wieder Stimmen, die besagen, dass wir seit Jahren nur abgeben, und dass davon nichts zurückkommt. Ich denke dass diese Aussage so falsch wie richtig ist.

Quasi seit der Privatisierung in den 90ern kämpft das Management darum, die vergleichsweise einzigartigen Strukturen mit automatischen Gehaltssteigerungen und befriedigenden Endstufen und viele andere Tarifbestandteile zu bekämpfen. Dies sind tatsächlich Strukturen, die noch aus der Zeit des Staatsbetriebs resultieren und um die uns viele andere zu Recht beneiden. Diese waren nun also 20 Jahre unter JEDEM Management dem Versuch eines Abbaus ausgesetzt. Dennoch bestehen sie in vielen Punkten noch – und das ist auch gut so. Ich glaube jedoch, dass wir gut daran tun, den Ausgangspunkt unserer Strukturen eben auch sehr selbstbewusst als etwas tatsächlich Gutes und Schützenswertes zu betrachten. Es ist wenig realistisch, zu behaupten, es ging uns schon immer schlecht in der Kabine und mit jeder Modifikation ging es uns noch schlechter.  Dies hält einem Blick über den Tellerrand nicht stand.

Außerdem gab es gerade in den vergangenen Jahren auch immer wieder klare Verbesserungen. So gab der MTV1 dem Management eine unheimliche Spielwiese zur Optimierung, Flexibilisierung und zur Überlastung der Kabine. Mit dem MTV2 haben wir  hier gemeinsam deutliche Grenzen gezogen.

Mit der konzertierten Aktion wurden Teile des damaligen MTV gekappt. Mit der Tarifrunde 2009 wurden die maßgeblichen Teile davon wieder zurückgeholt: Der Urlaub wurde wieder aufgestockt, der Vorschnellstreckenfaktor kam zurück. 

Wir sollten uns also einerseits nichts schön reden, aber Aussagen wie: „Es wird schon seit Jahren immer nur schlechter und wir bekommen in guten Zeiten nichts wieder zurück“,  halten einem Faktenabgleich meines Erachtens nicht stand.

Wir sind alle jeden Cent unseres Gehalts wert und jede Schutzvereinbarung im MTV ist richtig. Allerdings haben wir mit unseren Gehaltsstrukturen und unserem MTV2 auch Errungenschaften, die nicht selbstverständlich sind, und die es unbedingt zu erhalten gilt. Das haben wir gemeinsam mit diesem Streik geschafft.

Es gibt natürlich noch weit mehr Aspekte in dieser Schlichtung. Diese haben wir bereits in den FAQs dargelegt, ohne dass es danach noch im größeren Stil Nachfragen dazu gab. Wenn noch Gesprächsbedarf zur Tabelle für Neueinstellungen, JAZ, 5%-Teilzeit, der Gewinnbeteiligung, oder anderen Themen besteht, scheut Euch nicht, uns zu kontaktieren. Wir haben nichts zu verstecken. Wir stehen zum erreichten Ergebnis. Dies ist vollständig veröffentlicht, es gibt keine Zusatzprotokolle o. ä. und wir legen die Entscheidung zur Annahme deshalb guten Gewissens in Eure Hände. Nur noch einmal die Bitte: Beteiligt Euch! Lieber akzeptieren wir das eine oder andere NEIN, wenn wir damit erreichen können, dass sich alle Kollegen an der Urabstimmung beteiligen.

Ich wünsche Euch allen einen stabilen Dezemberplan und freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Euer 
Nicoley Baublies 
(Vorsitzender des Vorstands: baublies@ufo-online.aero)

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Eurecca

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