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Lufthansa

MTV-Verhandlungen: Ja, vieles ist komplex - Entscheidendes aber oft sehr einfach

Cabin Crew: On Station

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MTV-Verhandlungen: Ja, vieles ist komplex - Entscheidendes aber oft sehr einfach

Cabin Crew: On Station

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04.02.2026

Liebe Kolleg*innen,  

Überraschendes ist passiert. Lufthansa hat – Minuten nachdem wir den Raum verlassen haben – betriebsöffentlich unsere Verhandlungen kommentiert. Das hatten wir lange nicht.  

Manteltarifverträge seien komplex und verschlössen sich einfachen Ja-Nein-Schemata, so die Message des Arbeitgebers. Wer will da widersprechen? Diese Einsicht gehört zum kleinen Einmaleins der Tarifverhandlungen. 

Man fragt sich, warum der Arbeitgeber eiligst Selbstverständlichkeiten kommuniziert. Wahrscheinlich, um von dem abzulenken, was ein paar Zeilen später folgt. Dort lernen wir nämlich, „dringend erforderlich“ sei eine „Erhöhung der Produktivität und Flexibilität“. Surprise… 

Das ist entscheidend. Und es ist nicht komplex. Vielmehr ist es so einfach, dass es sich ziemlich gut in ein Ja-Nein-Schema einfügen lässt. Die Frage lautet: Sind wir bereit, durch Einschnitte in die Arbeitsbedingungen – mit denen man erwiesenermaßen sehr produktiv fliegen kann – finanzielle Verluste zu kompensieren? Verluste, die zu großen Teilen auf sehr fraglichen Entscheidungen des Managements in der Vergangenheit beruhen.  

Wir sagen: Absolut nicht.  

Ginge es hier um nackte Notwendigkeiten, wären wir sicher weniger bestimmt. Wenn aber das Management davon spricht, Einschnitte brauche es, um „langfristig wettbewerbsfähig zu sein und Perspektiven […] zu schaffen“, dann vergisst es dazuzusagen, dass es damit vor allem den hausgemachten Wettbewerb und die Perspektive innerhalb des Konzerns meint. Wer es billiger macht, bekommt Flieger und Strecken. Darüber entscheiden nicht das Schicksal oder die unsichtbare Hand des Marktes, darüber entscheidet der Chef.  

Das erste Wort, das uns dazu einfällt, lautet Erpressung. Wahrscheinlich die größte, der sich die LH-Kabine je aussetzen musste. 

Wir lassen uns aber nicht erpressen. Punkt. 

Unser Ziel für die letzten beiden Verhandlungstage war es also, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob sich an Lufthansas Sicht auf die Dinge („alle(s) zu teuer und zu unproduktiv“) etwas geändert hat. Obwohl sich die Arbeitgeberseite vor jeder expliziten Antwort mit größter Anstrengung gedrückt hat – was wir als äußerst ermüdend und respektlos empfunden haben – sind Tarifabteilung und Tarifkommission zu einer überwältigend übereinstimmenden Einschätzung gekommen: Nein, das Management sieht die Welt wie eh und je. Es vermeidet zwar so weit wie möglich den Begriff, atmet aber noch immer mit jeder Faser „Turnaround“. Natürlich sei man bereit, mit uns in die meisten Themen einzusteigen. Woran aber bei niemandem aus der Verhandlungskommission ein Zweifel geblieben ist: Wenn irgendwo etwas draufgeschlagen werden soll, dann muss es woanders weggenommen werden. Unter dem Strich soll dann ein „Weniger“ stehen.  

Darüber hinaus wurde direkt eines der für uns essenziellsten Themen rundheraus abgeschmettert: der verlängerte Kündigungsschutz. Aber klar – wer erpressen will, kann nicht gleichzeitig absichern. 

Das können und werden wir nicht akzeptieren. Aktuell beraten wir in den relevanten Gremien über das konkrete weitere Vorgehen. 

Wachsam bleiben – ihr hört sehr bald wieder von uns. 

 

Entschlossene Grüße 

Eure UFO-Tarifabteilung und Lufthansa-Tarifkommission  

Nikolaus Moehren, Stefan Schwerthelm, Michele Benninger, Manuel Braun, Christina Dauster, Manuela Faber, Manuel Hegel, Lukas Kimmel und Katharina Welsch  

mit Harry Jaeger (Leiter Tarifpolitik und UFO-Verhandlungsführer), Birgit Weinreich (stellv. UFO-Verhandlungsführerin), Rachid Madmar (juristischer Berater der TK) und Nina Coppik (juristische Beraterin der TK)  

sowie Sara Grubisic als Mitglied des UFO-Vorstands für Tarifpolitik 

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